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Neue Smartphones sind so gut, dass ihre Verkaufszahlen sinken [Update]

Geschätzte Lesezeit: ca. 4 Minuten

Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Anstatt sich über zweistelliges Wachstum zu freuen, müssen viele Smartphone-Hersteller mit stagnierenden oder rückläufigen Verkaufszahlen kämpfen. Schuld haben sie ironischerweise selbst, denn aktuelle Smartphones sind so gut, dass die Nutzer ihren Geräten immer länger treu bleiben.

Letztes Jahr tauschte ich mein durch und durch unspektakuläres "China-Handy" gegen ein neues Samsung Galaxy S8 ein. Der Sprung nach vorn war beeindruckend: Super Kamera samt 4K-Videos, hochauflösendes Display und butterweiche Performance, egal in welcher App. (Das soll kein Lobgesang auf Samsung sein, denn vergleichbare Handys von Apple, Sony, Google oder Huawei hätten mir dieselbe Freude bereitet.) Klar, günstig war das Upgrade nicht, doch das war es mir wert, denn plötzlich konnte ich mit meinem Smartphone ganz neue Dinge anstellen.

Wunsch nach neueren Modellen rückläufig

Geben mir Freunde nun ihr Galaxy S9 oder iPhone X in die Hand, hält sich meine Begeisterung dagegen in Grenzen. Neu und schick sehen diese Smartphones aus, keine Frage, und alles ist ein bisschen besser. Aber letztlich fallen mir Unterschiede zu gering aus. Da muss schon mehr kommen, damit ich wieder so viel Geld ausgebe und mein Galaxy S8 in Rente schicke. Eine Einschätzung, mit der ich offenbar nicht ganz allein bin.

Sind die fetten Jahre vorbei?

Denn von etwa 2007 bis 2014 konnte sich der Smartphone-Markt jedes Jahr über ein deutliches, zweistelliges Wachstum freuen. Viele Menschen schafften sich ihr erstes Smartphone an oder tauschten Einsteigermodelle gegen höherklassige Varianten aus. Dieser Trend setzte sich in den Folgejahren allerdings nicht fort, die Verkaufszahlen erreichten ein Plateau. 2017 schließlich ging es für den Smartphone-Markt - zum ersten Mal überhaupt - bergab und es wurden weltweit weniger Geräte verkauft als im Vorjahr. 2018 sollen es noch einmal weniger werden.

Smartphone-Verkaufszahlen: Markt erreicht Plateau

Die Verkaufszahlen auf dem Smartphone-Markt waren 2017 erstmals rückläufig.  

Quelle: (Jake Swearingen)  Intelligencer 

Smartphone-Verkaufszahlen: Markt erreicht Plateau

Die Verkaufszahlen auf dem Smartphone-Markt waren 2017 erstmals rückläufig.  

Quelle: (Jake Swearingen)  Intelligencer 

Anstatt ein Neues zu kaufen, behalten die Nutzer ihr Smartphone länger, bevor sie es austauschen. In den letzten fünf Jahren sei die Nutzungsdauer eines Smartphones in den USA von durchschnittlich 20 auf 24 Monate angestiegen, sagt Jennifer Chan vom Marktforschungsunternehmen Kantar. Außerdem ginge es bei Neuanschaffungen heute an erster Stelle um den Ersatz eines kaputten Smartphones, während der reine Wunsch nach einem neueren Modell rückläufig sei.

Nachvollziehbar, denn Veränderungen gegenüber den Vorgängermodellen bleiben oft so marginal, dass sie für den Durchschnittsnutzer kaum einen Unterschied machen. Eine Smartphone-Kamera, die heute oben mitspielt, wird auch in drei, vier Jahren noch vorne dabei sein (und wenn es um die wirklich wichtigen Fotos geht, wird eine vollwertige Kamera zur Hand genommen). Mehr Prozessor-Power macht höchstens für ambitionierte Mobile-Zocker Sinn, während man den Unterschied zwischen FullHD- und QHD-Displays schon heute nur schwer erkennen kann.

Apple, Samsung und Co. reagieren

Stagnierende oder fallende Verkaufszahlen treiben den Herstellern in unserer wachstumsorientierten Wirtschaft jedenfalls die Schweißperlen auf die Stirn und sie reagieren auf ihre Weise. Apple, Samsung und Co. verlangen für Spitzenmodelle immer mehr Geld, während fast alle Hersteller den Lebenszyklus ihrer Geräte mit zeitlich begrenzten System- und Sicherheits-Updates künstlich kurz zu halten scheinen.

Mit welchen Neuerungen wollen Hersteller punkten?

Die TV-Branche hat eine ähnliche Krise hinter sich. Vor einigen Jahren stagnierten auch dort die Verkaufszahlen - wer schon einen großen Fernseher besaß, gab im Regelfall so bald kein Geld für einen noch größeren aus. Mit 3D- und Curved-Fernsehern versuchte man die Kunden schließlich zum Kauf von neuen Geräten zu bewegen. Doch niemand wollte sie haben, sie floppten. Erst HDR- und besonders 4K-Fernseher brachten die Wende.

Mit welchen Neuerungen wollen Smartphone-Hersteller punkten? Die paar Millimeter Displayfläche, die sie gerade links und rechts neben der Frontkamera gewinnen konnten, werden wohl kaum die Antwort sein.

Was sagt ihr: Bei welchen neuen Smartphone-Features würdet ihr das Portemonnaie sofort zücken?

Quelle: Intelligencer


Update vom 14.01.2019:

Credit Suisse bestätigt Smartphone-Flaute

Produktionsprognose für Smartphones 2019 von der Credit Suisse Investm

"Talsohle ist nicht in Sicht": Smartphone-Markt baut weiter ab.  

Quelle:  Credit Suisses via Business Insider 

Produktionsprognose für Smartphones 2019 von der Credit Suisse Investm

"Talsohle ist nicht in Sicht": Smartphone-Markt baut weiter ab.  

Quelle:  Credit Suisses via Business Insider 

Analysten des Banking- und Finanzdienstleisters 'Credit Suisse' haben die Smartphone-Flaute in einer Prognose für das beginnende Geschäftsjahr 2019 bestätigt. In einem Schreiben an seine Kunden warnt das global tätige Unternehmen davor, dass der Handy-Markt weitere Einbußen werde hinnehmen müssen. Das Ende dieser Entwicklung sei momentan nicht absehbar. Die Investmentbank stützt sich dabei auf ihre Berechnungen zur weltweiten Smartphone-Produktion.

Nach ihren Vorhersagen wird das Produktionsniveau im ersten Quartal 2019 etwa dem vom Jahresbeginn 2014 entsprechen - der Abwärtstrend der Vorjahre setzt sich also fort. Auffällig: Das Weihnachtsgeschäft 2018 brachte, im Gegensatz zu den sieben vorangegangenen Jahren, einen deutlich geringeren Schub. Die Unternehmen fuhren ihre Smartphone-Produktion zurück, weil der Umsatz hinter den Erwartungen zurückblieb. Alle Hersteller sind davon betroffen, auch wenn Apple diesbezüglich besonders in den Fokus geriet.

Quelle: businessinsider.de


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