Jahrelanger Betrug

PC-Reparatur: Handelskette zockte Kunden mit gefälschten Viren-Scans ab

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von Michael Springer -

Zwei US-Unternehmen haben ihre Kunden jahrelang vorsätzlich hinters Licht geführt: Ihre selbstgeschriebene Software diagnostizierte bei PCs auch dann Virenbefall, wenn es eigentlich gar kein Problem gab. Mit den gefälschten Ergebnissen wurden Kunden zum Kauf teurer Serviceleistungen und überflüssiger Software gedrängt.

Wenn das Auto nicht mehr rund läuft, machen sich die meisten Menschen auf den Weg in die Werkstatt. Denn einige Probleme bekommt man als Laie kaum behoben: Dann müssen Profis ran, die genau wissen, was zu tun ist – letztlich egal, ob es um Autos, Waschmaschinen oder Computer geht. Dass der fachfremde Kunde dabei ein Stück weit auf die Ehrlichkeit der Experten vertrauen muss, zeigt ein dreister Abzocke-Fall aus den USA.

Abzocke durch Office Deport und Support.com: Frei erfundene Diagnosen

'Office Depot' (sowie Fusionspartner 'OfficeMax'), ein US-amerikanischer Anbieter für Bürobedarf und -dienstleistungen, hat seine Kunden in Zusammenarbeit mit dem Softwarelieferanten 'Support.com' jahrelang vorsätzlich betrogen. Das haben entsprechende Untersuchungen der 'Federal Trade Commission' (FTC, Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde) ergeben. Beide Unternehmen haben bereits einem Vergleichsvorschlag zugestimmt und werden nun insgesamt 35 Millionen US-Dollar Strafe zahlen müssen.

PC Health Check Betrug Screenshot

Bejahten Kunde eine dieser letztlich belanglosen Fragen, schlug die Fake-Software bewusst falschen Alarm.  

Quelle: (Screenshot)  Federal Trade Commission 

PC Health Check Betrug Screenshot

Bejahten Kunde eine dieser letztlich belanglosen Fragen, schlug die Fake-Software bewusst falschen Alarm.  

Quelle: (Screenshot)  Federal Trade Commission 

Von 2009 bis 2016 versuchten die Firmen routinemäßig arglose Kunden übers Ohr zu hauen, die ihren Computer zum Systemcheck oder zur Reparatur in eine der Filialen von Office Depot brachten. Zur Bestandsaufnahme potenzieller Probleme kam dann eine Software namens 'PC Health Check' zum Einsatz, die im Beisein der Kunden auf den eingelieferten PCs ausgeführt wurde. Support.com hatte das Programm eigens für diesen Zweck angefertigt. Der Haken: Die Software führte tatsächlich überhaupt keinen Systemcheck aus, sondern generierte letztlich frei erfundene Diagnosen.

Ob der PC Health Check irgendwelche Probleme feststellte, hing dabei allein davon ab, wie der Kunde vier direkt zum Start gestellte Fragen beantwortete. Er musste angeben, ob der Computer nach seinem Empfinden in letzter Zeit langsamer geworden war, öfter abstürzte oder ob ihn häufige Pop-ups vom Browsen im Internet abhielten. Allesamt subjektive Einschätzungen, die natürlich keinen Rückschluss darauf erlauben, ob oder welche Reparaturmaßnahmen notwendig wären.

Office Depot nutzte den Fake-Befund als Verkaufshebel.

Trotzdem diagnostizierte das Programm den vermeintlich gescannten PCs eine "Infektion" mit Viren und Malware, wenn eine dieser Fragen bejaht wurde. Office-Depot-Mitarbeiter nutzten den Fake-Befund dann als Verkaufshebel, um den Menschen teure, unnötige Serviceleistungen (die Support.com durchführte) und überflüssige Softwarepakete aufzuschwatzen – mit denen würden sich die (in den meisten Fällen nicht existierenden) Probleme beheben lassen, so die Lüge.

Betrug mit Methode und Quoten

Office Depot schulte seine Mitarbeiter darin, wie sie Kunden mit dieser Methode das Geld aus der Tasche ziehen konnten. Außerdem sollten dahingehende Quoten erfüllt werden: Mitarbeiter waren angehalten, die getürkten Tests in mindestens der Hälfte der Fälle in zusätzliche Verkäufe umzumünzen. Wer diese Quoten nicht erfüllte oder die betrügerische Taktik nicht anwenden wollte, wurde unter Druck gesetzt und bekam von den Führungskräften schlechte Beurteilungen geschrieben.

Aufgeflogen ist der Schwindel erst Ende des Jahres 2016, als ein US-amerikanischer TV-Sender entsprechenden Beschwerden auf die Spur ging. Im versteckten Test hatte die vermeintliche Scan-Software dort auf brandneuen Computern, die noch nie mit dem Internet verbunden waren, Malware und Viren "entdeckt".

Quelle: Federal Trade Commission via ArsTechnica

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