Die Belastung für Angehörige verringern

Pflegeroboter für Demenzkranke: Was die smarten Helfer wirklich können müssen

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Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Was müssen Roboter können, die in der Pflege Demenzkranker eingesetzt werden? Ein Frage, der eine Gruppe Wissenschaftler nun erstmals gemeinsam mit Angehörigen von Erkrankten nachgegangen ist. Ganz oben auf der Liste der Must-Haves für Pflegeroboter: Stressvermeidung - für die Angehörigen.

Im sozialen und gesundheitlichen Bereich gilt der Einsatz von Robotern noch immer als ethisch umstritten. Besonders wir Europäer sehen diese Entwicklung kritisch. Skeptiker befürchten unter anderem, dass die mechanischen Helfer echte menschliche Nähe zu ersetzen drohen, dass Pflegebedürftige so nach und nach auf dem Abstellgleis landen. Doch die Entwicklung scheint unumkehrbar, erste Prototypen sind bereits im Einsatz. Wichtig scheint jetzt umso mehr der Ansatz: Pflegeroboter dürfen menschliches Personal nicht ersetzen, sondern allenfalls bestmöglich unterstützen. Aber wie?

Priorität: Entlastung der Pflegenden

Mit dieser Frage hat sich jetzt eine Gruppe Wissenschaftler etwas genauer beschäftigt. Dabei sind sie auf eine Idee gekommen, die nach eigenen Angaben vorher noch niemandem eingefallen war: Sie haben Angehörige (und andere "informell Pflegende") befragt, was sie von Pflegerobotern erwarten, die sie bei der Pflege von Demenzkranken unterstützen sollen. Zusammen mit ihnen haben sie daraufhin sechs Monate lang an entsprechenden Robotermodellen getüftelt.

Besonders bei Robotik in der Pflege sollte man nicht mit dem Technologie-Hammer vorgehen.

Laurel Riek, UC San Diego; Science Daily

Nicht die schlechteste Idee, sind es doch zu 75 Prozent keine Profis, sondern Ehegatten oder erwachsene Nachkommen, die sich um Demenzkranke kümmern. Die Ergebnisse aus dem aktuellen Experiment sprechen Bände: Die Hälfte der fertigen Robotermodelle waren primär derart gestaltet, die Pflegenden bestmöglich zu entlasten - insbesondere bei Stress durch sich wiederholende Fragen.

Eines der Robotermodelle, die die Teilnehmer gestaltet haben.

Quelle: (Healthcare Robotics Lab/University of California San Diego)  Science Daily 

Eines der Robotermodelle, die die Teilnehmer gestaltet haben.  

Quelle: (Healthcare Robotics Lab/University of California San Diego)  Science Daily 

Pflegeroboter: 6 Dinge, die sie können müssen

Bisherige Versuche, Angehörige mit Technologie bei der Pflege zu unterstützen, waren hingegen kaum darauf ausgelegt, Stress und andere emotionale Belastungen der Angehörigen zu vermeiden. Ginge es nach den Studienteilnehmern, müssen Pflegeroboter sinnvollerweise folgende Charakteristiken aufweisen:

1. Pflegeroboter sollten Unterhaltungen lenken, wenn wiederholende Fragen der Demenzkranken zu einer Belastung werden.

2. Roboter sollten in alltägliche Gegenstände integriert werden, mit denen Demenzkranke bereits vertraut sind. Eine Teilnehmerin etwa wollte ihren Mann Nachrichten über den Fernseher empfangen lassen, vor dem er viel Zeit verbringt.

3. Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung mit immer neuen Herausforderungen für die Pflegenden. Pflegeroboter müssen daher in der Lage sein, sich an neue Situationen anzupassen.

4. Pflegeroboter sollten generell lernfähig und in der Lage sein, ihr Verhalten an den Nutzer anzupassen.

5. Menschenähnliche Komponenten sollen Pflegeroboter haben. Nicht zwingend allerdings müssen sie genau wie Menschen aussehen, eine Stimme oder ein menschliches Gesicht reichen schon aus. "Immer wenn Teilnehmer wollten, dass ihre Roboter die Pflegenden zu einer Tätigkeit motivieren, gestalteten sie ihre Roboter mit menschlichen Zügen", schreiben die Forscher. Hilfreich wäre zudem, wenn die Roboter aussähen wie ein Freund oder Arzt - das baue Vertrauen auf.

6. Wie ein Smart-Speaker sollten die Roboter mit der Stimme aktivierbar sein. Noch besser: Sie sollten Stimmen verwenden, die den Demenzkranken vertraut sind - Stimmen von Angehörigen oder Ärzten zum Beispiel. Gesichtserkennung sei ebenfalls vorteilhaft.

Quelle: UC San Diego via Science Daily

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