Jedes Produkt mit Chip

RFID statt Verkaufspersonal: Japan will Mini-Supermärkte bis 2025 automatisieren

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Foto von Michael Springer

von Michael Springer -

Japanische Mini-Supermärkte sollen bis zum Jahr 2025 komplett ohne Verkaufspersonal auskommen, so sieht es ein Projekt der Regierung vor. Ein kleiner, aber entscheidender technischer Fortschritt macht den Plan realistisch.

Der Supermarkt der Zukunft dürfte komplett autonom funktionieren: Lagerverwaltung, Bestellung, Warentransport, Regalbestückung, Kasse - das alles wird irgendwann wahrscheinlich mit Maschinen und Computern automatisiert. Noch ist es nicht soweit, aber Pläne zu smarter Optimierung und Datenerfassung im Supermarkt gibt es genügend.

Die japanische Regierung hat in dieser Hinsicht konkrete Pläne. Bis zum Jahr 2025 wollen die fünf größten Ketten ihre Mini-Supermärkte im Land so auf- und umrüsten, dass sie im Verkauf ohne menschliche Mitarbeit auskommen. Laut der Angaben des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie ist diese Rationalisierung ökonomisch unausweichlich.

Automatisierung gegen steigende Personalkosten

In ganz Ost-Asien und besonders in Japan erfreuen sich Mini-Supermärkte größter Beliebtheit - man findet die kleinen Geschäfte berühmter Ketten wie 7-Eleven, Family Mart oder Lawson, ohne Übertreibung an jeder zweiten Ecke. In den rund um die Uhr geöffneten Convenience Stores (vom englischen Wort für "Bequemlichkeit") gibt es von Snacks, Softdrinks und Nudelsuppen über Kopfschmerztabletten, Zahnpasta und Shampoo bis hin zu SIM-Karten und Zeitschriften alle möglichen Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs.

Ein Mini-Supermarkt 7-Eleven in Japan

Mini-Supermärkte sind in Japan populär: Die Kombinis bieten rund um die Uhr Produkte des täglichen Bedarfs.  

Quelle: (robbin lee)  Shutterstock 

Ein Mini-Supermarkt 7-Eleven in Japan

Mini-Supermärkte sind in Japan populär: Die Kombinis bieten rund um die Uhr Produkte des täglichen Bedarfs.  

Quelle: (robbin lee)  Shutterstock 

Doch Japan hat immer größere Probleme, diese Lädchen in Betrieb zu halten. Denn weil sie 24 Stunden am Tag geöffnet und in der Regel mit zwei bis vier Verkäufern besetzt sind, ist der Personalaufwand enorm. Gleichzeitig kämpft das Land mit einem starken Bevölkerungsrückgang – die Geburtsraten gehören seit Jahren zu den niedrigsten der Welt. Die Folge: Die Kombinis (wie die Lädchen in Japan heißen) finden immer weniger Verkaufspersonal, während die Lohnkosten steigen.

Auch deshalb setzt das zuständige Ministerium auf Automatisierung. Ein kleiner Durchbruch in der RFID-Technologie hat dieses Ziel nun greifbarer gemacht.

RFID-Technologie nun mikrowellenfest

Das japanische Projekt sieht vor, dass sich jedes einzelne Produkt in jedem Kombini mittels RFID-Technologie (die man auch in Bankkarten oder modernen Reisepässen findet) zweifelsfrei identifizieren lassen soll. Anders ausgedrückt: Jeder Artikel, jede Verpackung wird mit einem winzigen Chip ausgestattet, der mit Informationen beschrieben werden kann – dieses Eis kostet 50 Cent, schmeckt nach Vanille und ist noch nicht bezahlt.

Konzept zum automatisierten Supermarkt in Japan

Dank RFID-Technologie können zu jedem Produkt umfangreiche Informationen bereitgestellt werden.  

Quelle: (Screenshot)  Konzept der japanischen Regierung 

Konzept zum automatisierten Supermarkt in Japan

Dank RFID-Technologie können zu jedem Produkt umfangreiche Informationen bereitgestellt werden.  

Quelle: (Screenshot)  Konzept der japanischen Regierung 

Kontrollgeräte an der Kasse oder am Ausgang können diese Daten auslesen und ändern, wenn sich der Chip in der Nähe befindet. Kameras sollen vor Diebstahl schützen. Manuelles Erfassen durch Barcode-Scan oder Produkteingabe an der Kasse entfiele, bezahlt würde am speziellen Checkout-Terminal, Verkaufspersonal wäre überflüssig. Das Ganze ließe sich offenbar rentabel umsetzen, weil RFID-Technologie immer günstiger wird.

Bis jetzt hatten die Chips für die Anwendung in Kombinis allerdings einen entscheidenden Schwachpunkt: Sie waren nicht mikrowellenfest. Denn viele Kunden lassen sich ihre Fertiggerichte vor Ort in der Mikrowelle zubereiten – herkömmliche RFID-Chips müssen dabei vorher unbedingt entfernt werden, für gewöhnlich übernimmt das Verkaufspersonal diese Aufgabe. Die Chips können sonst in der Mikrowelle Funken schlagen und Brände auslösen. In entsprechenden Testläufen für automatisierte Mini-Märkte hatten Kunden das, trotz eindeutiger Warnhinweise, jedoch wiederholt vergessen. Das deutlich zu hohe Unfallrisiko ließ sich nicht beseitigen.

Nun haben Forscher einen neuen RFID-Chip entwickelt, der bis zu fünf Minuten in der Mikrowelle bei 950 Watt unbeschadet übersteht. Ein Durchbruch für die Marktbetreiber, weil die Zubereitung der Fertiggerichte in der Regel nicht länger dauert. Wenn Kunden diese neuen Chips vor der Erwärmung nicht entfernen, ist das also weit weniger dramatisch. Die technischen Hürden sind damit aus dem Weg geräumt: Läuft alles Weitere nach Plan, dürfte das Verkaufspersonal bis 2025 aus japanischen Mini-Supermärkten verschwunden sein.

Quelle: Forbes

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