Affen vor der Kamera

Say Cheese! Gesichtserkennung soll Tracking von gefährdeten Arten erleichtern

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Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Eine Software der Michigan State University möchte das Tracking von Primaten erleichtern. Seitdem der Rechtsstreit um das weltberühmte Selfie von Affe 'Naruto' in Sachen Urheberrecht zu Ungunsten des Primaten ausgegangen ist, kann Gesichtserkennungs-Software nun wohl unbedenklich von Tierschützern eingesetzt werden.

Es ist wohl der Horror von Daten- und Privatsphäreschützern schlechthin: Wir fahren mit der U-Bahn, schlendern durch die Fußgängerzone, shoppen, bummeln, essen ein Eis, während an jeder Ecke Kameras hängen und die Menschenmassen scannen. Gesichtserkennungs-Software dient nicht nur als Login-Identifikation für Smartphones, sondern liefert gleichzeitig eine steile Vorlage für dystopische Zukunftsvorhersagen eines Überwachungsstaats.

Dass so eine Technologie neben kritischer Betrachtung und missbräuchlicher Anwendung auch im positiven Sinne genutzt werden kann, zeigt nun ein Beispiel der Michigan State University. Dort entwickelten Forscher zwar ebenfalls eine Gesichtserkennungs-Software, die im großen Rahmen Daten verarbeiten soll – allerdings nicht von Menschen, sondern von Primaten.

Kein stressiges Tracking mehr – PrimNet schaut Primaten auf die Nase

Dabei geht es den Forschern weniger darum, die schicksten Fotos von Lemuren, Schimpansen oder Orang-Utans zu schießen, um mit deren Hilfe die Werbetrommel für Artenschutz zu rühren. Vielmehr geht es um eine kostengünstige und dem Tierwohl zugewandte Alternative zu herkömmlichen Tracking-Methoden.

Bergziege trägt ein weißes Tracking Halsband

Auch wenn diese Bergziege unbeteiligt aus der Wäsche schaut: Das große Funkhalsband musste ja auch irgendwie angelegt werden. Sicherlich nicht stressfrei für ein wildlebendes Tier. Mit PrimNet könnte man Primaten nun zukünftig diesen Umstand ersparen.  

Quelle: (Screenshot / Wildnerdpix)  Shutterstock.com 

Bergziege trägt ein weißes Tracking Halsband

Auch wenn diese Bergziege unbeteiligt aus der Wäsche schaut: Das große Funkhalsband musste ja auch irgendwie angelegt werden. Sicherlich nicht stressfrei für ein wildlebendes Tier. Mit PrimNet könnte man Primaten nun zukünftig diesen Umstand ersparen.  

Quelle: (Screenshot / Wildnerdpix)  Shutterstock.com 

Denn in der Regel müssen Naturschützer einen für Mensch und Tier unglaublichen Aufwand betreiben, um einzelne Gruppen im Auge behalten zu können. Dies geschieht aus Mangel an Alternativen dann gerne mal mit Chips oder Halsbändern, wofür die Tiere zunächst eingefangen und unter Umständen auch sediert werden müssen. Nicht selten ergibt sich daraus ein invasiver Eingriff, der neben Stress und Verletzungen laut MSU-Forschern auch Kosten zwischen 400–4.000 US-Dollar hervorruft.

Deshalb entwickelte das Forscher-Team PrimNet – eine Gesichtserkennungs-Software, mit dessen Hilfe sich bereits Goldmeerkatzen, Lemuren und Schimpansen innerhalb ihrer Art auseinanderhalten lassen.

Open-Source-Datenbank für Tierschützer in aller Welt?

Die Grundlage für die Erkennungs-Software lieferten tausende Fotos von Tieren aus freier Wildbahn, die das neuronale Netzwerk trainieren. Wenn Tierschützer nun ein neues Foto in die Oberfläche einspeisen, gibt PrimNet entweder eine Übereinstimmung eines bereits identifizierten Primaten aus, verkleinert den Kreis der Verdächtigen bei Zweifeln auf fünf Treffer oder legt dementsprechend einen neuen Charakter an.

Die Forscher bescheinigen der Software dabei auf Grundlage zahlreicher Test eine Treffsicherheit von 90 Prozent. Zukünftig soll die Datenbank deutlich erweitert und auf Open-Source-Websites bereitgestellt werden, gab der leitende Autor der Studie bekannt. Somit könnten zukünftig Tierschützer aus aller Welt auf die Ergebnisse zugreifen, ohne den Tieren auf den buchstäblichen Pelz zu rücken. Ob sich dieses Modell auch auf andere Tierarten ausweiten lässt, ist in diesem Zusammenhang nicht bekannt, bleibt den gefährdeten Tierarten aber nur zu wünschen.

Quelle: futurism.com

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