digitale Themen, leicht verständlich.

Startup ersetzt testweise alles durch AR-Headsets

Scheibtischjob ohne Schreibtisch. Und Monitor. Und Computer.

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Den kompletten Arbeitsplatz durch ein AR-Headset ersetzen? Aus Sicht eines erfolgreichen Herstellers von AR-Headsets ist das - wer hätte das gedacht - schon jetzt durchaus möglich und in Zukunft sicher gang und gäbe. Eine aufwendige interne Probe aufs Exempel allerdings ist nicht ganz so gut gelaufen wie geplant.

Einerseits: Zu einem Schreibtischjob gehört der namensgebende Schreibtisch. Und der in den meisten Fällen darauf flimmernde Computermonitor oder Laptop ist für uns ebenso selbstverständlich im Büro. Andererseits: Das hat man über Schreibmaschinen und Rollkarteien auch lange gedacht. Das Startup 'Meta' aus dem Silicon Vallley, das ihre knapp eintausend Dollar teuren AR-Headsets bereits überaus erfolgreich an die Automobilindustrie und Architekten verkauft, will das Arbeitsleben jedenfalls radikal umkrempeln und im Grunde jedes alltägliche Büro-Hilfsmittel überflüssig machen.

Meron Gribetz, Chef des Multi-Millionen-Dollar-Unternehmens sagte gegenüber den Reportern von Bloomberg vollmundig, er wolle "die Tyrannei des modernen Büros" beenden. Möglich machen sollen das (seine) AR-Headsets, die Kundenkontakte, Icons für Browser, E-mail-Client und fast jedes weitere Utensil, das man Bürohengst so braucht, in die echte Umgebung projizieren. Der klassische Schreibtisch hätte damit ebenso ausgedient, wie Monitore, Smartphones, Tablets und dergleichen.

AR-Headsets bei Software-Entwicklern durchgefallen

Sein eigener Schreibtisch bestünde bereits jetzt aus wenig mehr als einem Brett, auf der gerade einmal sein Headset Platz habe. Um zu demonstrieren, dass dies keine Spinnerei ist, hatte sich Gribetz im Vorfeld auf ein riskantes Experiment eingelassen - dass zunächst einmal gründlich in die Hose gegangen ist: Seine gesamte Firma solle innerhalb eines gewissen Zeitraums sämtliche Arbeiten nur mithilfe des AR-Headsets erledigen.

Gerade die Software-Ingenieure der Firma hätten sich nach kürzester Zeit die Monitore zurückgewünscht, mit den Headsets sei beispielsweise das gleichzeitige Schreiben und Testen von Programmen gar nicht möglich gewesen. Einer der Entwickler beschrieb die Erfahrung als "verwirrend", als befände man sich auf einem Boot. Gribetz habe zunächst einlenken müssen, die Ingenieure bekamen ihre geliebten Monitore zurück.

Smartphones sind nur noch komische, kleine Rechtecke

Andere Abteilungen, wie das Marketing oder der Vertrieb, hätten bereits schnell sehr gute Erfahrungen mit der ungewohnten Technik machen können. Multitasking in Sachen E-Mail und Social-Media falle leichter, und auch im Brainstorming sei man viel produktiver. Kharis O’Connell, Senior Director der Abteilung User Experience, habe das Headset beispielsweise gar nicht mehr ablegen wollen. Mit Blick auf sein Smartphone meinte er den Reportern von Bloomberg gegenüber. "Wow, ich kann nicht glauben, dass wir die ganze Zeit von diesen kleinen Rechtecken umgeben sind."

Von einer Alles-oder-nichts-Lösung ist man also offenbar selbst bei einer mega-erfolgreichen AR-Firma wie Meta noch weit entfernt. Und während ihr Boss das ganz anders sieht, schlägt die Meta-Headset-Designerin Esther Lekeu tatsächlich gemäßigtere Töne an. Die Technologie sei, zumindest bislang, für einige Anwendungsbereiche schlicht besser geeignet und für andere weniger gut. In Zukunft sieht sie ausdrücklich kein völliges Verschwinden von Schreibtisch, Computer und Co., vielmehr eine Koexistenz. In etwa so, wie wir für einige Tätigkeiten auch heute noch Stift und Zettel verwenden.

Wie steht ihr dazu? Würdet ihr am liebsten euren ganzen Job in der erweiterten Realität erledigen oder werden Block und Bleistift auch in Zukunft eure treuen Büro-Begleiter sein?

Hier erfährst du mehr über: Augmented Reality

Sag uns deine Meinung!