Künstliche Intelligenz

Schlägt Google DeepMinds KI bald StarCraft 2 Profis?

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von Michael Springer -

Im Frühjahr 2016 besiegte das von Google DeepMind entwickelte Programm AlphaGo einen der weltbesten Go-Spieler überraschend deutlich. Vorher galt das Brettspiel lange Zeit als zu komplex für künstliche Intelligenz. Das Unternehmen widmet sich nun der nächsten Herausforderung: Eine KI soll StarCraft 2 meistern.

Noch im Februar dieses Jahres war Lee Sedol siegesgewiss. Er werde das Programm AlphaGo schlagen, sagte er. Doch es kam anders – und die Welt schaute gespannt zu: Der südkoreanische Go-Profi verlor im März 2016 die ersten drei Spiele in Serie, die künstliche Intelligenz triumphierte vorzeitig. Dabei überraschte der Computer seinen Gegner und viele Experten mit einer aggressiven, kreativen Spielweise. AlphaGo nahm nicht nur bekannte Strategien auf, sondern entwickelte sie sogar weiter. Google DeepMind, das Unternehmen hinter dem Programm, hat nun ein neues Ziel ins Auge gefasst: Blizzards Echtzeit-Strategiespiel StarCraft 2.

Neues Projekt, große Herausforderungen

Die neue KI soll StarCraft 2 dabei anhand derselben Informationen bedienen, die auch menschliche Spieler erhalten – also anhand der Grafiken, Animationen und Werten, die letztlich auf dem Bildschirm erscheinen. Gleichzeitig werden ihre Aktionen (oder: Spielbefehle) pro Minute, kurz APM, auf ein von Menschen zu erreichendes Niveau begrenzt. Der Grund: Die KI soll das Spiel wegen der Qualität ihrer Entscheidungen beherrschen, nicht allein wegen der Quantität.

So funktioniert nämlich die von Blizzard ins Spiel implementierte Computerintelligenz. Sie wird beispielsweise mit Daten gefüttert, die Spieler nicht einsehen können. Außerdem kann sie all ihre Einheiten gleichzeitig bedienen, ohne von einem begrenzten Bildschirmausschnitt eingeschränkt zu werden – ihre APM sind dabei nicht limitiert. Gegen Menschen besteht sie daher aufgrund ungleicher Voraussetzungen.

StarCraft is an interesting testing environment for current AI research because it provides a useful bridge to the messiness of the real-world.

Oriol Vinyals (Google DeepMind)

Google DeepMind verfolgt einen anderen Ansatz. Das Unternehmen möchte eine KI programmieren, die bessere Entscheidungen trifft als der Mensch, obwohl sie sich in denselben Rahmenbedingungen bewegt. Wie sich das umsetzen lässt, ist noch offen.

Die reine Berechnung aller überhaupt möglichen Spielszenarien scheidet aus – während diese Methode bei Schachcomputern noch praktikabel ist, stößt sie bei Go bereits an ihre Grenzen. Für das sehr komplexe und dynamische StarCraft 2 ist sie (stand heute) völlig undenkbar.

Viel mehr wird die neue KI riesige Datenmengen selektiv auswerten und beurteilen können müssen. Nur so wird sie imstande sein, den Abbau von Ressourcen zu planen, die passenden Einheiten zu bauen und Strategien zu entwerfen. Gleichzeitig muss sie flexibel bleiben und Entscheidungen revidieren können – alles in Echtzeit. Die Entwicklung steht in dieser Hinsicht noch ganz am Anfang. Bis DeepMinds neue künstliche Intelligenz professionelle StarCraft 2-Spieler schlägt, dürfte es also vermutlich noch einige Zeit dauern.

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