Japanisches Start-up

Schlaue Videoüberwachung: Diese KI erkennt Diebe, bevor sie klauen

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von Michael Springer -

'Vaak Eye', eine neue KI-gestützte Software aus Japan, soll potenzielle Ladendiebe identifizieren, noch bevor sie etwas Falsches tun. Nach Angaben der Entwickler lässt sich das Funktionsprinzip dahinter auf viele Bereiche ausweiten.

Die Idee erinnert unweigerlich an den Hollywood-Blockbuster 'Minority Report' von 2002. Im Film verhaftet Tom Cruise Menschen wegen Verbrechen, die sie – so jedenfalls sagt es das zuständige System voraus – ansonsten in der Zukunft begangen hätten. Die Prognose reicht zur Verurteilung. Ganz so weit geht eine neue Software aus Japan nicht, aber der Ansatz ist ähnlich: Die künstliche Intelligenz soll Verhaltensmuster erkennen und so dabei helfen, Ladendiebstähle von vornherein zu verhindern.

Vaak Eye analysiert Überwachungsvideos in Echtzeit

'Vaak Eye' heißt die KI des japanischen Start-ups 'Vaak', die auf die Analyse von Überwachungsvideos spezialisiert ist. Die Software wertet Bildmaterial in Echtzeit aus und erkennt Verhaltensmuster, die vorab als auffällig oder unerwünscht definiert wurden. In Supermärkten kann Vaak Eye so etwa Kunden identifizieren, die im Begriff sind, Artikel unbezahlt in die eigene Tasche wandern zu lassen.

Vaak Eye analysiert Überwachungsvideos in Echtzeit

Verdächtigkeitsfaktor: Anhand eines Aktionsprotokolls berechnet Vaak Eye eine Diebstahl-Wahrscheinlichkeit. Die Software wertet dabei Körpersprache und Bewegungen aus.  

Quelle:  Vaak Eye via Bloomberg 

Vaak Eye analysiert Überwachungsvideos in Echtzeit

Verdächtigkeitsfaktor: Anhand eines Aktionsprotokolls berechnet Vaak Eye eine Diebstahl-Wahrscheinlichkeit. Die Software wertet dabei Körpersprache und Bewegungen aus.  

Quelle:  Vaak Eye via Bloomberg 

Dazu analysiert die KI zum Beispiel die Körpersprache: Rastlose Handbewegungen, umherschweifende Blicke über die Schulter, Tippeln auf der Stelle, wiederholtes Streichen durch die Haare, die Suche nach Kameras und anderen Beobachtern – all diese Verhaltensmuster deuten auf gesteigerte Nervosität hin und werden typischerweise von Ladendieben vor und während des Klauens an den Tag gelegt.

Die KI legt für jeden Besucher des Geschäfts eine Art Aktionsprotokoll an und berechnet daraus die Wahrscheinlichkeit eines Diebstahls. Je mehr auffällige Aktionen, desto höher klettert die Zahl. Erreicht sie einen bestimmten Grenzwert, werden Mitarbeiter per App darüber informiert, dass sich ein potenzieller Dieb im Laden befindet. Verschwindet ein Artikel unbezahlt in der Jackentasche, erfasst das Programm das natürlich auch und schlägt entsprechend Alarm.

Wegen hoher finanzieller Verluste: Prävention ist das Hauptziel

Nach Angaben der Entwickler sei Prävention jedoch das Hauptziel. Wird ein Langfinger in spe noch vor der Tat vom Personal angesprochen – "Brauchen Sie Hilfe?" –, senke das die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlich durchgeführten Diebstahls enorm. Denn Supermärkte wollen in erster Linie keine Täter überführen: Sie wollen den finanziellen Verlust minimieren, der durch das Klauen entsteht. Allein letztes Jahr sei so weltweit nämlich ein Schaden von 34 Milliarden US-Dollar entstanden, resümiert ein Industriebericht.

Experten rechnen daher damit, dass Handelsketten auf der ganzen Welt im großen Stil in Technologien dieser Art investieren werden. Deutliches Argument für die erweiterte KI-Überwachung: Größere Märkte sind schon jetzt mit der erforderlichen Kameratechnik ausgestattet. Mit künstlicher Intelligenz ließe sich die Auswertung der anfallenden Datenmassen nun jedoch in Echtzeit automatisieren. Ryo Tanaka, Firmengründer von Vaak Eye, sieht darin "einen wichtigen Schritt hin zu einer Gesellschaft, in der Kriminalität von künstlicher Intelligenz verhindert werden kann". Er stehe bereits mit den Vertretern vieler großer Handelsketten Japans in Kontakt.

Das Funktionsprinzip lässt sich auf viele Bereiche ausweiten

Nach welchen Verhaltensmustern die Software Ausschau hält, lässt sich außerdem flexibel festlegen. Vaak Eye kann daher auch Alarm schlagen, wenn es Gewalt entdeckt oder das Verhalten eines Menschen am Bahnsteig als selbstmordgefährdet beurteilt.

Wer übernimmt die Aufgabe besser: Ein Mensch oder eine Maschine?

Im ersten Moment mag der Gedanke befremdlich wirken: Ein Computer fällt Urteile über menschliches Verhalten. Nur, machen Polizisten, Sicherheitsdienste und Ladendetektive der Sache nach nicht dasselbe? Auch sie beobachten, suchen nach auffälligen Verhaltensmustern und ziehen entsprechende Schlüsse. Aber sie kosten Geld, lassen sich ablenken, brauchen Schlaf und Urlaub.

Letztlich dürfte es also darauf ankommen, wer diese Aufgabe verlässlicher, effektiver und kostengünstiger übernehmen kann: Der Mensch oder eine Maschine. Und je mehr Fortschritte in der künstlichen Intelligenz gemacht werden, desto stärker schlägt dieses Pendel Richtung Maschine aus.

Quelle: Bloomberg

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