Totale Überwachung oder Schule 2.0?

Schlecht für Zu-spät-Kommer: Chinesische Schule setzt auf smarte Schuluniform

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von Julius Zunker -

In einer düsteren Science-Fiction-Story wäre die totale Überwachung schon der Jüngsten sicherlich nichts, was uns vom Hocker hauen würde. Dabei ist, dank Bewegungsprofilen und Ortskennung, derlei längst keine Zukunftsmusik mehr. Einige Schulen in der Volksrepublik China überwachen ihre Zöglinge schon seit 2 Jahren.

China hat in Sachen Datenschutz und Privatsphäre nicht den besten Ruf. Allerdings kann man der Volksrepublik und den von dort aus agierenden Unternehmen nicht vorwerfen, seine Bürger und Angestellten sonderlich heimlich zu überwachen. Das Land gilt als perfektes Beispiel, wie eine dystopische Überwachung im 21. Jahrhundert aussehen könnte. Und wenn man schon mit Apps wie 'WeChat' einfach jeden Nutzer "abhört", dann kann man doch eigentlich gleich jeden Schüler mit Smart-Wear auf Schritt und Tritt verfolgen.

Über 800 Schüler an 10 Schulen sind mit der Smart-Wear ausgestattet.

Zumindest über 800 Schüler an 10 Schulen in der Guizhou Provinz und der gleichnamigen, autonomen Präfektur. Ihre Schuluniformen zeichnen seit 2016 das Betreten und Verlassen der Schule akkurat auf und senden diese Daten automatisch an Lehrer und Eltern. Grundvoraussetzung dafür ist ein sogenannter 'Smart-Campus'. Die derartig ausgerüsteten Schulen bieten natürlich einige Lernvorteile, kommen aber auch mit Gesichtserkennungs-Software an den Eingängen daher. Sollte also jemand einen Schulschwänzer einfach mit dessen Uniform vertreten, wird ein Alarm im System und an der Jacke ausgelöst.

Smart-Wear auf dem Smart-Campus - im Unterricht schlafen ist nicht!

Dieser Alarm wird aber nicht nur in einem solchen Missbrauchsfall eingeschaltet. Verlässt ein Schüler während der täglichen Unterrichtszeit den Campus, aktiviert sich ebenfalls das Alarmsignal mit gut hörbarem Piepsen. Und wenn man schon Töne von sich geben kann, dann doch auch richtig: Schläft ein Schüler im Unterricht ein, weckt ihn die Uniform ebenfalls (und unterrichtet praktischerweise gleich das Lehrpersonal über die Schlafmütze).

Schläft ein Schüler im Unterricht ein, weckt ihn die Uniform ebenfalls.

Zusätzlich wird über den Chipsatz in der intelligenten Schuluniform auch jede Bezahlung auf dem Smart-Campus geregelt. Für die Bezahlung ist an der Mensa-Kasse nur noch ein Fingerabdruck notwendig. Die Eltern können im System vorher ein Tageslimit setzen, damit die Kinder nicht zu viel Geld für Snacks ausgeben.

Chinas Schulen der Zukunft

Der verbaute Chipsatz ist offenbar sehr widerstandsfähig. Bis zu 150 Grad Celsius und mindestens 500 Waschgänge erträgt er. Laut Lin Zongwu, Leiter der Renhuai-Schule in Guizhou, wird die Überwachungs-Technologie natürlich nur auf dem Campus und nicht außerhalb eingesetzt. Dies verriet er der staatlichen Zeitung 'Global Times'. Er gibt allerdings auch an, dass dies prinzipiell auch außerhalb möglich wäre. In jedem Fall hat sich, laut Global Times, so die Anwesenheitsquote deutlich verbessert.

Laut der regierungskritischen Seite 'Epoch Times' (die im Ruf steht Falun Gong zugehörig zu sein) regt sich auf 'Sina Weibo', dem chinesischen Pendant zu Twitter, Widerstand gegen die Uniformen. User vergleichen die so ausgerüsteten Schulen bereits mit Gefängnissen. Die Schulen in der Guizhou Provinz sind allerdings schon lange nicht mehr die Einzigen mit Überwachungstechnologie in China. In Hangzhou kontrolliert eine Schule alle 30 Sekunden mittels Gesichtserkennung, ob sich auch alle Schüler in den richtigen Kursen befinden.

Quelle: theepochtimes.com, globaltimes.cn

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