Kognitive Verhaltenstherapie

Schluss mit dem Regengesicht - Woebot steht euch therapeutisch zur Seite

Geschätzte Lesezeit: ca. 2 Minuten

Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Psychologen und AI-Experten der Stanford University haben einen Chatbot entwickelt, der euch durch regelmäßige Gespräche dabei hilft, ungesunde Verhaltensmuster zu erkennen. Das Entwickler-Team erhebt zwar nicht den Anspruch, einen ausgebildeten Psychiater ersetzen zu können, verspricht aber, dass eine Verbesserung der persönlichen Stimmungslage möglich ist.

Diagnosen stellen, Einkäufe erledigen oder juristisch beraten - das Einsatzfeld für Künstliche Intelligenzen in Form von Chatbots scheint keine Grenzen zu kennen. Für euer seelisches Wohl gibt es jetzt ebenfalls einen Bot, der euch via Facebook Messenger mit kognitiver Verhaltenstherapie unterstützt. Der Woebot führt regelmäßig Gespräche mit euch und ermittelt durch gezielte Fragestellungen eure Stimmungslage. Der Therapieansatz beruht auf einem Set verschiedener, datenorientierter Strategien, die euch dabei helfen, ungesunde Verhaltensmuster zu durchbrechen.

Cognitive Behavior Therapy (CBT) is based on the idea that it's not events themselves that upset us, it's how we think about those events.

Woebot

"Ich benutze verschiedene Hilfsmittel wie Videos, Wort- und Lernspiele", erklärt Woebot im Verlauf unseres ersten Chats und bietet mir nach der Beantwortung von vier leichten Fragen einen Link an, der mich zu YouTube weiterleitet. Im Video "Language is important" werden mir Tipps präsentiert, die mich erkennen lassen: Wörter wie "immer" sollte ich aus meinem Wortschatz zukünftig streichen, denn das suggeriert bereits, dass sich Dinge nicht zum Positiven verändern könnten.

Der Chat mit dem Woebot ist zur Zeit ausschließlich auf Englisch möglich, jedoch ist die Sprache relativ einfach gehalten und die Einstiegshürde somit auch bei mittelmäßigen Sprachkenntnissen leicht zu überwinden. Die Antwortmöglichkeiten beschränken sich auf die Auswahl zwischen wenigen Schaltflächen, wie zum Beispiel "yes" und "no". Ab und an verlangt Woebot von euch auch eine freie Texteingabe.

In puncto Datensicherheit erregt der Einsatz des Facebook Messengers gewisse Zweifel. Das war wohl auch den Stanford-Wissenschaftlern bewusst, denn schon früh im ersten Chat erklärt Woebot: "One last word about privacy: Your friends can't see that you're talking to me and I won't look at your Facebook page". Eure Facebook-Freunde wissen also nichts von eurer Zwiesprache mit dem Online-Therapeuten und man verspricht, eure FB-Account-Daten nicht auszuspionieren.

Nachdem 2016 eine Beta-Version getestet und klinische Daten gesammelt wurden, um den Bot intelligent zu machen, hat Woebot Labs in diesem Jahr das erste verkaufsfertige Produkt auf den Markt gebracht. Testen dürft ihr Woebot zunächst kostenlos, später lässt sich zwischen verschiedenen Abos wählen: 12 US-Dollar/Woche, 9 US-Dollar/Monat oder 6 US-Dollar bei einer jährlichen Gesamtzahlung (312 US-Dollar).

Im Vergleich zu einem echten Therapeuten also quasi ein Schnäppchen. Die Entwickler sind sich ihrer Verantwortung aber bewusst und weisen daraufhin, dass bei kritischen psychologischen Zuständen offline professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden sollte.

(@die_spoent_wohl)
Potenzial

Mir hat die Möglichkeit, unmittelbar mit jemandem "quatschen" zu können, wenn mir gerade danach ist, ganz gut gefallen. Die Videos im YouTube-Kanal sind angenehm unterhaltsam und in Anbetracht ihrer Kürze gar nicht mal so oberflächlich. Hoffentlich werden es bald mehr. Ein kleiner Schubs in Richtung gute Laune kann schließlich jeder mal vertragen.

Hier erfährst du mehr über: GesundheitChatbotKünstliche IntelligenzFacebook und Instant Messenger

Sag uns deine Meinung!