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Algorithmen im Arztzimmer

Sind KIs die besseren Psychiater? Algorithmus errechnet Suizidwahrscheinlichkeit

Geschätzte Lesezeit: ca. 1 Minute

Foto von Benjamin Krämer

von Benjamin Krämer -

Suizid zu prognostizieren gilt als extrem schwierig. Rund 80 Prozent der Suizide geschehen, obwohl Patienten in ihrer Therapie angegeben haben, keine entsprechenden Gedanken zu haben. Nun soll eine neue KI dank Machine-Learning dazu in der Lage sein, anhand von Hirnscans suizidale Tendenzen festzustellen.

Wissenschaftler um den Amerikaner Dr. Marcel Just haben fMRT (funktionelle Magnetresonanztomografie) Aufnahmen von Studienteilnehmern ausgewertet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass suizidale Patienten anhand von ihrer Gehirnaktivität ähnlich auf bestimmte Schlüsselworte reagieren. Mit diesem Wissen haben sie einen intelligenten Algorithmus programmiert, der fMRT Scans nach diesen Aktivitäten untersuchen und eine fundierte Prognose erstellen kann. Sie nutzten dafür Machine-Learning, also das selbstständige Erkennen von Mustern und Gesetzmäßigkeiten auf Grundlage von Beispielen.

KI hat eine außergewöhnliche Erfolgsrate

Zwölf MRT-Aufnahmen vom Gehirn mit blauen, gelben und roten Arealen

Anhand von Gehirnaktivitäten erkennt der Algorithmus die Suizidgefahr  

Quelle: (MriMan)  Shutterstock.com 

Zwölf MRT-Aufnahmen vom Gehirn mit blauen, gelben und roten Arealen

Anhand von Gehirnaktivitäten erkennt der Algorithmus die Suizidgefahr  

Quelle: (MriMan)  Shutterstock.com 

Das System hat in ersten Tests eine Vorhersage-Genauigkeit von sagenhaften 91 Prozent erreicht und markiert einen weiteren Punkt in der Liste erstaunlicher Dinge, die künftig von KIs übernommen werden könnten: Anamnese. Die Sache hat allerdings (noch) mehrere Haken: Für den korrekten Befund benötigt das Programm fMRT-Scans. Die sind nicht nur extrem teuer, sondern auch aufwendig, da die Geräte in keiner normalen Praxis stehen, sondern üblicherweise beim Radiologen. Der zweite Haken: Alle Studienteilnehmer waren Freiwillige. Wie hoch die Erfolgsrate des Systems ist, wenn die Patienten ihre Gefühle nicht mitgeteilt haben, bleibt abzuwarten. Was bleibt, ist also vorerst die Gewissheit, dass künstliche Intelligenz weiter auf dem Vormarsch ist – in fast allen Lebensbereichen.

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