Fingerabdruck war gestern

Vergessen unmöglich: Brainprints machen das Gehirn zum Passwort

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von Michael Springer -

Forscher arbeiten an einer neuen Methode zur sicheren Nutzeridentifikation – statt auf komplizierte Passwörter oder Fingerabdrücke, setzen sie dabei auf menschliche Gehirnwellen. Von der Alltagstauglichkeit scheint die Technik aber noch ein gutes Stück entfernt.

Passwörter sollten möglichst komplex sein, Groß- und Kleinbuchstaben, Sonderzeichen sowie Zahlen enthalten. Ohne Hilfsmittel kann sich die monströsen Zeichenfolgen kaum jemand merken – und wenn ein Angreifer die Daten irgendwie in die Finger bekommt, hilft jede Komplexität nicht. Fingerabdrücke gelten gemeinhin zwar als sicher, doch sie lassen sich fälschen. Auf der Suche nach verlässlichen Identifikationsverfahren experimentieren Wissenschaftler daher mit 'Brainprints', einer Art "Gehirnabdruck".

'Brainprints': Identifikation anhand von Hirnströmen

Vereinfacht ausgedrückt reagieren Gehirne individuell auf Sinnesreize: Wenn wir ein Bild betrachten oder ein Wort erkennen, löst das in unserem Kopf Gehirnströme aus, die sich messen lassen. Weil diese Muster bei allen Menschen unterschiedlich sind – selbst wenn man allen Testpersonen dasselbe Objekt zeigen würde –, wollen Forscher sie zur sicheren Identifikation benutzen. So ähnlich wie ein Fingerabdruck, nur eben für das Gehirn.

We tend to see the applications of this system as being more along the lines of high-security physical locations, like the Pentagon or Air Force Labs [...].

Zhanpeng Jin, Binghamton University

Noch scheint die Technik aber fehleranfällig zu sein. Bei Tests im letzten Jahr konnte zwar eine 100-prozentige Trefferquote erreicht werden, andere Versuche lieferten 2015 allerdings deutlich schlechtere Resultate (um 90 %). Dabei sollte berücksichtigt werden, dass sich das Verfahren noch in der Entwicklungsphase befindet, also ständig verbessert wird. Für einen realen Einsatz müsste das System natürlich eine 100-prozentige Genauigkeit in allen Fällen garantieren. Anders als Passwörter oder Fingerabdrücke sollen die Hirnabdrücke jedenfalls fälschungs- und diebstahlssicher sein.

Wer sich nun in Gedanken schon per Gehirnabdruck bei Facebook eingeloggt hat, muss seine Erwartungen allerdings ein wenig zügeln. Denn die Technik ist für spezielle Hochsicherheitsbereiche – vom Geheimdienst bis zur Militärforschung – konzipiert. Anwendungsfelder also, in denen nur wenige Befugte das Verfahren in eher größeren Zeitabständen durchlaufen würden. Ein alltäglicher, sehr häufiger Gebrauch ist momentan nicht angedacht. Praktisch gäbe es da auch einige Hürden. Oder wer hat zu Hause schon die Möglichkeit, Hirnströme zu messen?

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