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Der Traum vom künstlichen Verstand

Wenn KIs KIs bauen – das fehlt Maschinen, um uns zu übertrumpfen

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von Dennie Beneke (@debeneke)-

Als anerkannter KI-Experte äußert sich Max Tegmark zum allgemeinen Stand der Dinge in Sachen KI-Forschung und glaubt nicht daran, dass uns Maschinen in absehbarer Zeit das Wasser reichen können. Grund zur Annahme sei eine "faszinierende Grenze" zwischen Menschen und Maschinen, deren Software trotz gewaltiger Rechenleistung einfach noch "zu dumm" sei.

Der Traum der KI-Forschung: Eine Maschine zu bauen, die in allen Zielsetzungen besser ist als wir.

Max Tegmark

Kann künstliche Intelligenz den Menschen in absehbarer Zeit übertrumpfen? Diese und die anschließende Frage nach den Auswirkungen beschäftigt KI-Forscher und Tech-Philosophen gleichermaßen. Was wäre, wenn KIs plötzlich schlauer wären als wir? Was müsste dafür geschehen - sind wir überhaupt in der Lage, diesen Entwicklungssprung einzuleiten oder ist er vielleicht sogar schon geschehen? Zumindest beim letztgenannten Punkt ist sich Max Tegmark, anerkannte Physiker und ein Experte für KI-Forschung, sicher: Künstliche Intelligenz reicht nicht an den menschlichen Verstand heran, denn der Technologie sind bislang noch deutliche Grenzen gesetzt.

In einem Gespräch mit 'Big Think' äußerte sich Tegmark zum Stand der Dinge und bezeichnete die "Intelligenz als etwas, das gut darin ist, komplexe Ziele zu erreichen". Maschinen können einzelne Aufgaben zum Teil deutlich besser lösen als der menschliche Verstand – beispielsweise die mathematische Arbeit mit Zahlen, man denke nur an einen Taschenrechner. An die Vielfältigkeit von Menschen reicht künstliche Intelligenz nach Auffassung Tegmarks jedoch "jahrzehntelang" noch nicht heran.

Ein Bild sagt Kindern mehr als 10.000 Bilder einer KI

Menschen hätten eine "bemerkenswert breitgefächerte Intelligenz", was unter anderem bei Kindern deutlich wird. Ein menschlicher Verstand könne quasi alles lernen, wenn er nur genügend Zeit hätte – mit einer Auffassungsgabe, die dem maschinellen Lernen einiges voraushat.

Im Moment kann eine KI zwischen einer Katze und einem Hund nicht unterscheiden.

Max Tegmark |Big Think

Während KIs teilweise 10.000 Bilder benötigen, um den Unterschied zwischen einem Hund und einer Katze zu identifizieren, würden Kinder diesen teils schon innerhalb von einem Bild erkennen. Für viele KI-Forscher sei deshalb klar, dass der Traum einer Maschine, die intelligenter ist als ein Mensch, noch in weiter Ferne liegt. Und obwohl es bereits heute ohne weiteres die Rechen-Power gäbe, die dazu nötig wäre, scheitern KI-Forscher laut Tegmark vor allem am Begriff der 'AGI' – der sogenannten "artificial general intelligence". Die Hardware existiert, nur die Software sei noch "ziemlich dumm".

Künstliche Intelligenz scheitert an "einem Modell der Welt"

Der Unterschied liegt in der Verallgemeinerung von Umständen. Menschen seien in der Lage, auf Grundlage von begrenztem Wissen etwas auf andere Bereiche zu übertragen – wir lernen beispielsweise ein Spiel und können dieses Wissen nutzen, um schnell weitere Spiele zu erlernen. Wir bewegen uns demnach nicht nur in Mustern, sondern entwickeln uns ein "Modell der Welt", eine Logik, eine Generalanleitung für das gemeinschaftliche Leben. Für Maschinen sei dies die "faszinierende Grenze" des Möglichen – Stand jetzt.

Sobald es einer künstlichen Intelligenz also gelingt, sich selbst zu verbessern, wäre dies ein Quantensprung – sie könnten einfach alles tausend- und millionenfach schneller erledigen. Hier scheint die Grenze nicht absehbar, weshalb sich KI-Forscher weiterhin mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob dieses Szenario erstrebenswert oder doch eher existenzbedrohend ist.

Das nachfolgende Video entstand anlässlich Tegmarks Buch 'Life 3.0: Being Human in the Age of Artificial Intelligence', das in Szenekreisen als absolutes Muss bezeichnet wird.

Quelle: bigthink.com

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