Ergebnis einer Studie

Wer häufig Facebook nutzt, entscheidet wie ein Drogensüchtiger

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von Michael Springer -

Endloses Scrollen auf Facebook, Instagram und Co. kostet vielleicht mehr als nur Zeit. Eine US-amerikanische Studie kommt zu dem Schluss, dass intensive Social-Media-Nutzung zu ähnlichen Entscheidungsmustern führt wie Drogensucht.

Klar, Social Media liefert Unterhaltung nonstop, verbindet euch mit Freunden, zeigt die Events von heute Abend und steht dank Smartphone immer zur Verfügung. Doch den vielen Pluspunkten stehen auch zahlreiche Minuspunkte gegenüber: Facebook, Instagram und Co. geben sich zwar gemeinschaftlich, verleiten aber zur Ich-Bezogenheit - dass sie Auswirkungen auf die mentale Gesundheit haben können, ist eindeutig.

Selbst die Betreiber der sozialen Netzwerke legen den Nutzern einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren Plattformen nahe, während einige ehemalige Mitarbeiter sogar explizit vor ihnen warnen. Eine neue Studie aus den USA reiht sich nun in die Liste der Mahner und Warner ein.

Zu viel Facebook: Ähnliche Entscheidungsdefizite wie bei Drogensucht

Forscher der 'Michigan State University' untersuchten, ob sich ein Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und einem eingeschränkten Entscheidungsvermögen herstellen lässt. Ihr Fazit: Wer häufig Facebook nutzt, zeigt ähnliche Entscheidungsmuster wie ein Drogenabhängiger.

Grafik aus einer Studie

"Iowa Gambling Task" (IGT): Im Schnitt trafen die Versuchsteilnehmer im Laufe des Experiments (ein 'Block' steht für 20 abgedeckte Karten) immer bessere Entscheidungen.  

Quelle: (Screenshot)  Meshi et al. 

Grafik aus einer Studie

"Iowa Gambling Task" (IGT): Im Schnitt trafen die Versuchsteilnehmer im Laufe des Experiments (ein 'Block' steht für 20 abgedeckte Karten) immer bessere Entscheidungen.  

Quelle: (Screenshot)  Meshi et al. 

Sie griffen dazu auf die "Iowa-Glücksspiel-Aufgabe" ("Iowa Gambling Task") zurück. In dem Experiment müssen die Teilnehmer möglichst viel virtuelles Geld gewinnen. Dazu decken sie Karten, die ihnen sowohl Gewinne als auch Verluste bescheren können, von vier unterschiedlichen Stapeln auf. Was die Probanden nicht wissen: Bei zwei Stapeln sind die kurzfristigen Gewinnmöglichkeiten zwar größer, aber die Nieten sind häufiger und kosten mehr Geld - auf lange Sicht führen diese Stapel zum Geldverlust. Die beiden anderen Stapel liefern geringere Gewinne, tragen aber auch weniger Risiko - sie führen auf lange Sicht zum Geldgewinn.

Im Laufe des Spiels sollten Teilnehmer dieses Muster erkennen und entsprechend handeln können. Doch wer sehr oft auf Facebook unterwegs ist, hat damit offenbar mehr Probleme als andere, und entscheidet sich häufiger für die "schlechten" Stapel, die kurzfristig große Beträge ausschütten, langfristig aber Geld kosten. Diese Probanden würden "die potenziell positiven Auswirkungen ihrer Entscheidungen überschätzen und die negativen unterschätzen", so die Forscher. Ein Muster, das sich ähnlich auch bei Heroin- und Kokainsüchtigen feststellen ließe.

Grafik aus einer Studie

Wer häufig auf Facebook unterwegs ist, erzielte schlechtere Punktzahlen: Je weiter rechts der Punkt, desto besser das jeweilige Ergebnis; je weiter oben, desto intensiver die Facebook-Nutzung. Die Gerade markiert die Tendenz.  

Quelle: (Screenshot)  Meshi et al. 

Grafik aus einer Studie

Wer häufig auf Facebook unterwegs ist, erzielte schlechtere Punktzahlen: Je weiter rechts der Punkt, desto besser das jeweilige Ergebnis; je weiter oben, desto intensiver die Facebook-Nutzung. Die Gerade markiert die Tendenz.  

Quelle: (Screenshot)  Meshi et al. 

Nicht ohne methodische Schwächen

Die Ergebnisse der Studie sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Zum einen nahmen nur 71 Personen an ihr teil, was keine repräsentativen Schlüsse zulässt. Zum anderen fragten die Forscher nur nach der Facebook-Nutzung: Wer immer auf Instagram unterwegs ist, aber nie auf Facebook, würde daher in die Kategorie der Wenig-Nutzer fallen. Dass die Probanden darüber hinaus die Häufigkeit ihrer Social-Media-Nutzung selbst einstufen mussten, dürfte für weitere Verzerrungen gesorgt haben.

Trotzdem: Die Ergebnisse sollten als Indiz für mögliche Probleme verstanden werden, auch wenn die Autoren auf Erklärungsversuche verzichteten. Wie genau soziale Netzwerke unser Empfinden, unser Denk- und Leistungsvermögen beeinflussen, ist häufig noch unklar. Das halten auch die Wissenschaftler für bedenklich, denn "gleichzeitig entwickeln die Unternehmen fortwährend Features, die ihre sozialen Netzwerke noch verlockender, noch unwiderstehlicher machen".

Quelle: Meshi et al. via TechCrunch

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