Offen für freie Software

Wie die Zeiten sich ändern: Microsoft unterstützt Linux Foundation

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von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Nachdem Windows 1985 das Licht der Welt erblickte, versuchte der Microsoft-Konzern immer wieder Konkurrenten vom Markt zu verdrängen und ein geschlossenes IT-Ökosystem aufrechtzuerhalten. In den letzten Jahren hat sich allerdings einiges getan: Auf der 'Connect' gab Microsoft sogar offiziell die Unterstützung der Linux Foundation bekannt.

Als Microsoft CEO Satya Nadella im Oktober 2014 auf einem Medien-Event die Worte "Microsoft loves Linux" voller Überzeugung über die Lippen brachte, dürften einige Kinnladen heruntergeklappt sein. Ätzte Firmengründer Bill Gates doch in den Anfangsjahren der Personal-Computer-Ära regelmäßig gegen Open-Source-Lösungen und unternahm Hard- und Softwaretechnisch alles Erdenkliche, um den Einsatz fremder Produkte unter Windows zu vermeiden. 2001 nannte Microsoft-CEO Steve Ballmer Linux noch ein "Krebsgeschwür".

2001 nannte Microsoft-CEO Steve Ballmer Linux noch ein Krebsgeschwür.

In den letzten Jahren hat allerdings eine Kehrtwende stattgefunden: Microsoft öffnet eigene Produkte für andere Betriebssysteme, integriert Drittanbieter-Services und ist von der Idee quelloffener Software plötzlich sehr angetan. Man hat wohl erkannt, wie wichtig eine hohe Kompatibilität von Hard- und Software-Lösungen für die User ist, die beispielsweise zu Hause einen Mac auf dem Schreibtisch stehen haben, mobil aber auf Android setzen oder auf dem eigenen Rechner Windows nutzen, aber überzeugte iPhone-Käufer sind.

Wenn ich hier kurz unterbrechen darf: Der DRM-Microkernel ist fester Bestandteil der Hardware und sichert damit den Rechner gegen den Einsatz eines anderen Betriebssystems als OS/2/XP.

Bill Gates (Oktober 2002)

Beispiele für die "neue Offenheit":

  • Visual Studio darf jetzt auch unter Macintosh genutzt werden
  • Unterstützung von Ubuntu unter Windows 10
  • SQL-Server für Linux
  • Integration von Drittanbieter-Cloud-Services in Office (z.B. Dropbox)

Auf der Entwicklerkonferenz 'Connect' machte Microsoft nun offiziell, die Linux Foundation als Platin-Sponsor unterstützen zu wollen. Andere IT-Großkonzerne wie Cisco, Huawei, Intel, Qualcomm, HP, IBM, NEC, Fujitsu und Samsung gehören bereits zu diesem Kreis von Unterstützern. Jim Zemlin, Geschäftsführer der Linux Foundation, begrüßte die Mitgliedschaft - Microsoft sei "erwachsen geworden", wenn es um die Anwendung und Weiterentwicklung von Open-Source-Technologie gehe.

Es gibt Ausnahmen: Sicherheits-Software und fremde Browser

Ziel dieses Vorgehens sei die Forcierung des Windows Defenders als PC-Schutzmaßnahme.

So positiv der Beitritt zur Linux Foundation sich auch darstellt, gibt es auch Beispiele, die zeigen, dass Microsoft doch noch den ein oder anderen Trick anwendet, um manche Konkurrenten vom eigenen Betriebssystem zu verbannen. Jüngst beschwerte sich Eugene Kaspersky, Gründer des gleichnamigen Antivirus-Software-Unternehmens über die Versuche von Windows, Security-Programme von Rechnern zu löschen.

Microsoft-CEO Satya Nadella

Innovativ und "open minded": Satya Nadella ist seit Februar 2014 CEO von Microsoft und befürwortet die Zusammenarbeit mit Open-Source-Entwicklern. Sein Vorgänger Steve Ballmer teilte diese Ansicht nicht immer.  

Quelle: (Pressekit)  Microsoft 

Microsoft-CEO Satya Nadella

Innovativ und "open minded": Satya Nadella ist seit Februar 2014 CEO von Microsoft und befürwortet die Zusammenarbeit mit Open-Source-Entwicklern. Sein Vorgänger Steve Ballmer teilte diese Ansicht nicht immer.  

Quelle: (Pressekit)  Microsoft 

Dazu nutze der Konzern Hintertürchen und verwende beispielsweise System-Update-Prozesse zum automatischen Löschen nicht kompatibler Programme, wobei das Update mit Absicht so gestaltet werde, dass es die Sicherheits-Software fremder Anbieter als nicht kompatibel einstufe. Zudem würden die Entwickler vorsätzlich sehr spät von Änderungen unterrichtet, damit ihnen keine Zeit bleibe, ihre Programme entsprechend nachzurüsten. Ziel dieses Vorgehens sei die Forcierung des Windows Defenders als PC-Schutzmaßnahme.

Ebenso versucht Microsoft die Nutzung fremder Browser zu verhindern und den Usern stattdessen Microsoft Edge nahezulegen. Beispielsweise, indem automatisch Hinweise aufpoppen, die auf den erhöhten Energieverbrauch durch die Nutzung des Chrome-Browsers hinweisen.

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