An der Leistungsschraube gedreht

WWDC 2017: HomePod, iPad und neues iOS - aber Innovationen bleiben aus

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Foto von Sandra Spönemann

von Sandra Spönemann (@die_spoent_wohl)-

Im Vorfeld der Apple Keynote im San Jose McEnery Convention Center gab es ein großes Thema: Auch Apple bringt einen intelligenten Lautsprecher raus, allerdings erst 2018. Und weitaus kostspieliger als die Konkurrenz, was jedoch niemanden überraschen dürfte. Daneben gibt es wie üblich ein Update für 'iOS' und kleine Veränderungen in den Sparten 'iPad' und 'Apple Watch'.

(...) das machte den Unterschied aus. Damals.

Um meine persönliche Enttäuschung über die diesjährige Apple Keynote zu verstehen, machen wir einen kurzen Sprung ins Jahr 2006 - das Jahr meines ersten MacBooks (First Generation!). Apple hat Laptops nicht erfunden, aber eine Sache von Anfang an verstanden: Es muss Freude machen, das Teil zu bedienen. Das begann beim Design, ging weiter mit einer äußerst komfortablen Bedienung und endete nicht zuletzt mit der Tatsache, dass mir das Ding über eine Nutzungsdauer von zehn Jahren nicht ein einziges Mal abgestürzt ist. Begeisterung pur!

Das kalifornische Unternehmen ist nicht dafür bekannt, komplett neue Technologien zu entwickeln, aber sie haben es immer verstanden, die Handhabung so ansprechend und einfach wie möglich zu gestalten. Beim Anschließen von Druckern beispielsweise fragte mich mein MacBook nie nach fehlenden Treibern oder sonst etwas - ich konnte einfach sofort drucken und das machte den Unterschied aus. Damals. Ohne Steve Jobs scheint es jedoch an visionären Ideen zu fehlen.

Das erwartet Apple Fans in 2017

Mit iOS 11 erhalten die mobilen Apple-Geräte iPhone und iPad im Herbst ein größeres Update, das 'Augmented Reality'-Erlebnisse in Apps verbessern soll. Um darüber hinaus die Verwaltung von Dateien über mehrere Devices hinweg zu vereinfachen, wird außerdem an einer neuen App geschraubt. In den Medien wird das neue iPad Pro vielfach als "Sensation" verkauft, weil es mit einem größeren Display von 10,5 Zoll und einer 120-Hertz-Wiederholrate eine bessere Performance abliefert, als die Vorgänger. 30 Prozent mehr Leistung, um genau zu sein.

Zusätzlich zum Mac Pro gibt es zukünftig den iMac Pro. Dieser zählt mit AiO-System zu den leistungsstärksten All-in-One Rechnern, die Apple auf den Markt gebracht hat. Die Vega-GPU greift auf 128GB RAM zu und verfügt über 5TB Flash-Speicher. Auch hier ist bei den Apple-Fans Geduld gefragt: Der 27-Zoll-PC mit 5K-Display und einer 1080p-Kamera kommt erst im Dezember 2017. Das Warten könnte sich allerdings lohnen, kommt der Hardware-starke iMac Pro doch mit bis zu 18 Skylake-Kernen daher, die der Performance eines Intel Core i9 entsprechen.

Wie im Apfel-Universum üblich, wird sich der neue Rechner im oberen Preissegment befinden und in der günstigsten Version - mit 32GB Arbeitsspeicher, 1TB SSD und 8 Versionen - noch 5.000 US-Dollar kosten.

HomePod - werden die Letzen die Ersten sein?

Ein Lautsprecher, der sprachgesteuert und mit einer Künstlichen Assistenz an Bord den Alltag erleichtert. Kommt euch bekannt vor? Sehr wahrscheinlich schon, denn genau so ein Gerät hat Echo bereits vor zwei Jahren - im Juni 2015 - auf den Markt gebracht. Als der Vertrieb dann 2016 auf Europa ausgeweitet wurde, kam Google mit 'Google Home' um die Ecke. Und der smarte Lautsprecher profitiert immerhin vom bereits bestehenden Chromecast-Ökosystem, welches nun ebenfalls unter der Bezeichnung "Google Home" läuft. Ach ja, und dann ist da ja noch Bixby aus dem Hause Samsung. Zwar zunächst ohne Stand-Alone-Produkt, aber warten wir es ab.

HomePod von Apple in schwarz

7 'Inch' hoch, zylindrisch und minimalistisch im Design: Das ist der smarte Lautsprecher von Apple - der HomePod.  

Quelle: (Pressroom)  Apple 

HomePod von Apple in schwarz

7 'Inch' hoch, zylindrisch und minimalistisch im Design: Das ist der smarte Lautsprecher von Apple - der HomePod.  

Quelle: (Pressroom)  Apple 

Und nun kommt Apple mit dem HomePod. Dabei handelt es sich um einen knapp 17 Zentimeter hohen, zylindrischen Lautsprecher, der laut Apple-CEO Tim Cook exzellente Hardware verbirgt, die für optimale Sound-Qualität und - mit Siri als künstlicher Intelligenz - smarter als Konkurrenzprodukte sein soll. Es sei ein "bahnbrechender Lautsprecher für das Zuhause mit wahnsinnigem Sound und unglaublicher Intelligenz", so der selbstsichere Cook.

Obwohl man für ein Technologie-Unternehmen spät dran ist, liegt man beim Preis wieder vorne: 349 US-Dollar wird der HomePod kosten. Google Home kostet dagegen 109 Dollar und Echo Show - das neueste Produkt aus der Echo-Reihe mit integriertem Bildschirm - kostet 229,99 US-Dollar (Echo Dot gibt es bereits für 59,99 Euro). Sechs Mikrofone an der Zahl sowie integrierte Sensoren würden dafür sorgen, dass der HomePod Sprachbefehle sogar aus mehreren Metern Entfernung problemlos verstehen könne - so warb übrigens bereits Amazon mit seinem Echo. Dass das Device dieses Versprechen auch einhält, haben wir durch einen ausgiebigen Praxistest bestätigen können.

(@die_spoent_wohl)
Eine Reihe betrüblicher Ereignisse

Wie überzeugt ist man bei Apple überhaupt vom eigenen Produkt, dem HomePod, wenn man es nötig hat, in einer Keynote offensive und sehr konkrete Seitenhiebe an die Konkurrenz auszuteilen? Da kann der HomePod wohl nicht für sich selbst sprechen...

Als seltener Hybrid aus Apple- UND Microsoft-Fan empfand ich die Veranstaltung definitiv als enttäuschend. An der Leistungsschraube zu drehen - was den iMac Pro betrifft - ist eine erwartbare Mindestvoraussetzung für ein Technologieunternehmen. Schön für alle, die sich den Rechner leisten können. Ansonsten bin ich unterwältigt.

Jeder eingefleischte Apple-Fan, der mir das Gegenteil beweisen kann, möge in einem Kommentar zu mir sprechen oder für immer schweigen ;).

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