digitale Themen, leicht verständlich.

Gesprächsstoff für eine Ewigkeit

"Zeit zurückzuschlagen!" – ist Re:scam die neue Waffe gegen Phishing?

Geschätzte Lesezeit: ca. 3 Minuten

Foto von Dennie Beneke

von Dennie Beneke (@debeneke)-

Netz-Ganoven aufgepasst, ein neuer Sheriff ist in der Stadt – und er bekämpft euch auf seine ganz eigene, unaufgeregte Art und Weise. Die neuseeländische netsafe-Organisation hat mit Re:scam einen Chatbot auf Basis künstlicher Intelligenz entwickelt, der Betrüger in nie enden wollende Gespräche verwickelt.

Betrug im Netz hat sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt. Auf 12 Milliarden US-Dollar beziffert 'netsafe' – eine Non-Profit-Organisation aus Neuseeland – den weltweiten Schaden, der im vergangenen Jahr durch Phishing-Abzocke entstanden ist. Eine viel zu große Zahl für die unabhängige Organisation, die sich unter anderem um Aufklärung und Weiterbildung im Bereich der Cyber-Sicherheit kümmert.

"Zeit zurückzuschlagen!" heißt es deshalb auf der netsafe-Website, die auch gleich die passende Waffe im Kampf gegen Spam-Mails und Phishing-Attacken in petto hat. Re:scam ist der Name des Mailing-Chatbots, der auf Basis einer künstlichen Intelligenz Konversationen mit Betrügern beginnt und - wenn nötig - bis ins unendliche weiterführt. Die KI schlägt die Urheber mit ihren eigenen Waffen, indem sie ihnen kostbare Zeit stiehlt.

Everyone is susceptible to online phishing schemes and no matter how tech savvy you are, scammers are becoming increasingly sophisticated.

Martin Cocker | CEO netsafe

Auf den ersten Blick ist Re:scam keine wirkliche Hilfe für Opfer, die sich im Bereich des Internetbetrugs nicht wirklich auskennen – der Bot hilft nicht dabei, die Maschen der Betrüger aufzudecken und Mails als das zu entlarven, was sie sind. Vielmehr möchte er Empfänger von Scam-Benachrichtigungen dazu ermutigen, mithilfe des Tools Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Dabei müssen Empfänger solcher Spam-Mails nichts weiter machen, als die eingehenden Mails an die Adresse me@rescam.org weiterzuleiten, anstatt sie in den digitalen Papierkorb zu verfrachten.

Re:scam kämpft auf seine ganze eigene, unermüdliche Art und Weise

Re:scam vereint zahlreiche Personalitäten in sich, die Betrüger in Gespräche verwickeln. Dabei agiert der Chatbot teilweise naiv und extrem interessiert, stellt Fragen und antwortet mit Anekdoten aus einem unerschöpflichen Pool aus Antworten. Der Bot schindet Zeit – er kämpft auf seine ganz eigene, unermüdliche Art und Weise gegen Internet-Betrug. Wie nicht anders zu erwarten, agiert der neuseeländische Chatbot in seiner Muttersprache und ist demnach nur für den Einsatz von Spam-Mails in englischer Sprache geeignet. Allerdings könnte dieses Vorgehen durchaus Schule machen, sodass sich auch deutsche KI-Experten dem Thema annehmen.

Re:scam versendete nach Angaben von netsafe bislang rund 16.000 Antwort-Mails an potenzielle Spammer und "verschwendete" mit dieser Methode bislang 25 Tage, 14 Stunden und 33 Minuten kostbarer Lebenszeit von Internet-Kriminellen.

(@deBeneke)
Flucht nach vorn

Obwohl sich der Chatbot genauso weiterentwickeln soll, wie sich die Maschen der Internetbetrüger weiterentwickeln, stellten wir uns die Frage, wie effektiv Re:scam im Kampf gegen Scammer wirklich ist. Spam-Mails verteilen im Gegensatz zum Phishing vor allem ungewollte, lästige Werbung in großem Ausmaß – sie spammen die Mail-Postfächer aller zur Verfügung stehenden Adressen zu. Phishing hingegen passiert nicht selten automatisiert und erfordert teilweise keine wirkliche Interaktion des Opfers, um standardisierte Droh-Mails rauszuschicken. Wenn Re:scam mit einem Bot auf der anderen Seite kommuniziert, der ebenfalls auf standardisierte Antworten und Abläufe setzt, läuft der Versuch der KI aus unserer Sicht ins Leere.

Nichtsdestotrotz stemmt sicht Re:scam gegen eine kaum in den Griff zu bekommende Problematik und sucht neue Ansätze – ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Nicht selten brennt es mir unter den Fingernägeln, mit kräftiger Wortwahl auf nervige Mails zu antworten – selbst in dem Wissen, dass ich den Aufwand nur für meinen eigenen Frieden betreibe. Zukünftig gebe ich diese Aufgabe lieber in Hände von Chatbots wie Re:scam.

Hier erfährst du mehr über: DatenschutzSicherheitChatbot und Künstliche Intelligenz

Sag uns deine Meinung!