Neuronales Netz verwaltet alle Sprachen

Zero Shot: Neues Google Translate muss nicht mehr üben

Foto von Sebastian Hardt

von Sebastian Hardt (@hardtboiled)-

Google Translate verwaltet sämtliche bekannte Sprachen ab sofort über ein einziges neuronales Netzwerk. Auch Übersetzungen von selten verwendeten Sprachkombinationen soll die K.I. jetzt ohne Hintergrundkenntnisse akkurat abliefern können - und das, ohne zu üben.

Eine neue Sprache lernen? Da hilft nur eins: üben, üben, üben. Jeder, der schon mal eine Fremdsprache lernen musste, weiß das. Und bis vor Kurzem ging Googles Übersetzungsdienst 'Translate' nach einem ganz ähnlichen Schema vor - je öfter ein einem spezifischen Sprachpaar zugeordnetes neuronales Netz Übersetzungsanfragen von einer Sprache in eine andere erhielt, desto akkurater fiel das Übersetzungsergebnis aus.

Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, ist dieser Lernprozess nun offenbar nicht mehr nötig. Mehr noch: Theoretisch ist Google jetzt in der Lage, in eine Sprache zu übersetzen, zu der noch gar keine Übersetzungsanfragen vorliegen. Möglich macht das eine radikale Umstellung des Systems von unzähligen in sich abgeschlossenen Netzwerken, die sich jeweils um nur ein Sprachpaar kümmern, auf ein großes neuronales Netz, das sämtliche derzeit unterstützten 103 Sprachen verwaltet.

Entsteht gerade eine Universal-Sprache?

Google Translate soll dadurch nicht nur qualitativ bessere Übersetzungen liefern können. Auch Sprachen, zu denen relativ selten Übersetzungsanfragen gestellt werden, kann Google dadurch weitaus akkurater übersetzen. Das neuronale Netz kann sogar zwischen zwei Sprachen übersetzen, obwohl das System noch nie eine derartige Anfrage erhalten hat und die Übersetzung somit nie hat "üben" können. Der überarbeiteten 'Google Neural Machine Translation' reicht es jetzt schon, hinreichend oft andersprachige Übersetzungs-Anfragen in die beteiligten Sprachen erhalten zu haben.

Die Google-Entwickler selbst nennen dieses Vorgehen "Zero-Shot-Translation" - und scheinen selbst nicht so genau zu wissen, wie der dahinter liegende Mechanismus dies eigentlich zustande bringt. Eine Vermutung ist, dass das verbesserte neuronale Netzwerk nach und nach eine Art modellhafte Universalsprache entwickelt, die dem Dienst sozusagen als Blaupause für alle bekannten 103 Sprachen dient. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet hier das offizielle Forschungspapier zum spannenden Thema Zero-Shot-Translation.

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